Es ist schon beeindruckend, was sich kreative Menschen in ihren kreativen Phasen ausdenken. Es ist noch ein wenig beeindruckender, wenn sie dieses Neue so in Worte und Schemata fassen, dass andere – nicht unbedingt weniger – kreative Menschen, dieses nachzuarbeiten vermögen.

Da gibt es zum Beispiel ein Projekt, welches seit 2006 durch die Weiten der Strickwelt geistert. Es ist charmant, es ist verspielt, es ist hinreißend. Zumindest gehöre ich zu den Menschen, die dieses Projekt so beurteilen.

“Eyelet Chemise” von Therese Chynoweth ist ein verspieltes Hemdchen, das durch seine Ajour-Rippen, das wenig aufdringliche Lochmuster im Brustbereich und der Unterbrustschnürung besticht. Es ist kleidsam, durchaus. Ich liebe es. Seit 2006 besitze ich ein Exemplar aus einem Leinengemisch in ehemals Anthrazit. Mittlerweile ist es häufig getragen, häufig gewaschen und eher hellgrau denn anthrazit. Doch das ist egal. Seit gut einem Jahr soll diesem Einzelstück ein zweites folgen. Gut 75% der Arbeit sind mittlerweile getan und so nach und nach tauchen die kleinen Gemeinheiten auf, die dieses Design in sich birgt.

Ich persönlich bin der Ansicht, es sind Fehler in der Anleitung. Natürlich kann es auch sein, dass ich – unwissend wie ich bin – zu dämlich bin, die feinen Nuancen der englischen Stricksprache zu erfassen. Na auch egal. Déjà-vues lassen grüßen: Denn ich kann mich dunkel daran erinnern, bereits beim ersten Chemise bei den Ärmelabnahmen nahezu am Verzweifeln gewesen zu sein. Nichts funktionierte und am Ende hätte ich noch mindestens zwanzig Maschen zunehmen müssen, um zweiundzwanzig abnehmen zu können. Na auch das ist egal. Nichts kann Einfluss nehmen auf den Charme, den dieses kleine gestrickte Hemdchen verströmt.

Also wurden die Abnahmen per Hand errechnet und nun wartet der zum dritten Mal angeschlagene erste Ärmel auf seine Fertigstellung. Dank Kim Hargreaves, die mir die Feinheiten des Armkugelstrickens hat nahebringen können, bin ich frohen Mutes und harre des Erfolges.

Dieses ist wieder einmal ein Beispiel dafür, dass man sich wirklich alles aufschreiben sollte, was einem nicht gleich koscher vorkommt. Wenn ich die “Gemeinheiten” bereits 2006 notiert hätte, hätte ich bereits drei Ärmel gestrickt. ;)

Fotos gibt es erst, wenn das gute Stück fertig ist.