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My "Ali" inspired by Kim Hargreaves

  • Jul. 9th, 2009 at 10:45 AM

Es ist vollbracht oder sollte ich sagen: Er ist vollbracht?

"Ali" ist nämlich fertig, zumindest meine Version dieser tollen Strickjacke, die der Designerin Kim Hargreaves von den Nadeln gehüpft ist. Ich liebe die Jacke jetzt schon, auch wenn sie ein wenig zu weit in der Taille geraten ist. Aber was soll's. Im Winter trägt man ja ohnehin den einen oder anderen dickeren Pullover unter einer Jacke. Allmählich habe ich mich mit dem Baby-Blau auch abgefunden. Es wird nie meine Lieblingsfarbe sein. Doch sieht sie besser aus, als ich vermutet hätte. 

Die Jacke ist im Gegensatz zum Original etwas länger und ich habe mich auch für längere Ärmel entschieden. Mit kürzeren wäre es nicht so nett gewesen, allein die Wolle hätte das nicht hergegeben.

Der letzte Handgriff musste gestern getan werden, obwohl die Jacke bereits seit dem 26.Juni fertig ist. Da ich mit den Knöpflöchern unzufrieden war - irgendwie kann ich die niiieee richtig -, musste ich mir da noch etwas einfallen lassen. Eigenartigerweise lag die Lösung so nahe, dass nicht erst ein Magazinbeitrag über einen deutschen Herrenausstatter notwendig gewesen wäre. Dort ist eine Dame zu ihrer Arbeit in der Schneiderei befragt worden. Ihre Tätigkeit bestand darin, Knöpflöcher zu umsäumen, also habe ich in einer kurzen Pause von der PC-Arbeit die drei Knöpflöcher umsäumt und schon sitzen die kleinen hellblauen Biester fest. ;)

Nun fehlen nur noch die ...

Daten

Größe: 34/36
Material: leider keine Angaben. Die Wolle ist aufgeribbeltes Material von einer mittlerweile unmodischen Jacke, die mir meine Schwester gestrickt hat.
Die jetzige Jacke bringt 500g auf die Waage. Wenn ich davon ausgehe, dass man für einen Pullover durchschnittlich für meine Größe 1200-1300 m Wolle braucht, dann komme ich wohl auf eine Lauflänge, die zwischen 120m/g und 130m/50g liegt. Grob gerechnet und über den Daumen gepeilt. ;)
Lauflänge: keine Angaben
Bestandteile: keine Angaben (leider bin ich nicht Fachfrau genug, um das Material anhand der Fingerprobe zu erkennen. Ich tippe auf eine Mischung aus Polyacryl und einer anderen Faser.
Nadeln: 4,5 Rundstricknadel 80cm

Knöpfe: 3 in Hellblau

Begonnen: 01. April 2009
Beendet: 26. Juni 2009








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"Die Geisha"

  • Jun. 25th, 2009 at 7:40 PM

"Die Geisha" 

von Arthur Golden






Obwohl ich das Buch vor einer guten Woche ausgelesen habe, bin ich noch immer nicht in der Lage, etwas Gescheites darüber zu schreiben. Ich bin nach wie vor fasziniert und hingerissen. Nicht nur von der Geschichte, sondern auch von der Art und Weise, wie Arthur Golden sie uns erzählt. Der Leser hat von der ersten Seite der eigentlichen Geschiche an das Gefühl, dass diese für ihn und ausschließlich für ihn geschrieben worden ist. Ob es an der gekonnten Übersetzung durch Gisela Stege liegt oder an dem wunderbar erzählenden Stil Arthur Golden, vermag ich nicht zu sagen, doch die Faszination bleibt eine Tatsache.

Chiyo ist gerade erst neun Jahre alt, als sie gemeinsam mit ihrer Schwester Satsu den Zug nach Kyoto besteigt. Sie ist der festen Überzeugung vom Besitzer der Fischfabrik ihres Ortes adoptiert zu werden und wird bitter enttäuscht. Sie und ihre Schwester wurden verkauft. Während Chiyo, die nunmehr Sayuri genannt wird, in dem Geisha-Haus der Herrin Nitta ihr neues Zuhause findet, muss ihre Schwester Satsu als Prostituierte arbeiten. Für die Ausbildung zur Geisha ist Satsu zu alt, nicht hübsch genug und nicht ausreichend intelligent. Die letzteren Dinge besitzt Sayuri jedoch. Sie ist nicht unbedingt die Hübscheste, doch hat sie ungewöhnlich helle Augen, die die Aufmerksamkeit der Okiya-Besitzerin wecken. Sayuri ist mit Ankunft in der Okiya den Grausamkeiten der erfolgreichen Geisha Hatsumomo ausgesetzt, die sich einen Spaß daraus macht, das Mädchen zu quälen und auszunutzen. Sayuri, deren einziger Wunsch es ist, die Schwester wiederzusehen und mit dieser zu fliehen, fällt auf die Tricks Hatsumomos herein und wird - nach einem missglückten Fluchtversuch - von der Ausbildung zur Geisha zurückgezogen. Fortan verrichtet sie Dienstmädchenaufgaben und muss mitansehen, wie ihre Freundin in der Not, Kürbisköpfchen, ihren Weg zur Geisha macht.

Es vergehen einige Jahre und als Sayuri elf ist, begegnet sie bei einem Botengang einem Mann, der ihr künftiges Schicksal lenken wird. Er ist um ein Vielfaches älter als sie. Er ist erfolgreich und wird nur "der Direktor" genannt. Mit dieser Begegnung verändert sich ihr Leben. Einige Tage später wird sie zur "kleinen Schwester" der ärgsten Konkurrentin Hatsumonos, der Geisha Mameha. Nun verändert sich alles für das Kind. Sie darf wieder zur Geishaschule und wird in allen Künsten ausgebildet, die eine Geisha beherrschen muss.

Sayuri weiß genau, was auf dem Spiel steht, denn ihre "große Schwester" Mameha hat mit der Besitzerin der Okiya eine Wette abgeschlossen. Sayuri muss es schaffen, innerhalb weniger Jahre ihre Schulden bei Herrin Nitta abzuzahlen.

Huch herrje, ich erzähle ja den ganzen Roman ... das ist nicht gut. ;)

Ich glaube, dass das die Nachwehen der herrlichen drei Tage sind, die ich mit diesem Buch verbringen durfte. Schade, dass es irgendwann zu ende ging. Was ich persönlich gut finde, Arthur Golden handelt die Kriegsjahre in Japan mit nur wenigen Seiten ab. Für das Buch mag es schlecht sein, doch interpretiere ich die Entscheidung so: Dadurch dass die Geschichte aus der Sicht Sayuri Nittas erzählt wird, wird so der Eindruck erweckt, dass sie über diese schrecklichen Jahre nicht mehr Worte verlieren will, als sie es tut. Nicht gut fand ich, dass Golden am Ende einen leicht gehetzten Eindruck machte, als hätte ihn das Ende überrollt. Doch ist dieser Kritikpunkt so minimal, dass er in meinen Augen kaum ins Gewicht fällt.

Dass Sayuri Nitta eine fiktive Person ist, ist klar und dass sich die Praktik, die Entjungferung zu versteigern, so wohl kaum in der Realität abgespielt haben wird, hat bereits Goldens Quelle deutlich dargelegt. Wahrscheinlich gibt es noch mehr schwammige Dinge an der Geschichte, die so nicht stattgefunden haben dürften. Doch es ist ein Roman und wer versucht in einem Roman, der in seinem Nachwort mit Nachdruck auf den fiktiven Gehalt beharrt, ein Abbild der Realität zu erkennen, wird mit dem Roman von Mineko Iwasaki "Die wahre Geschichte der Geisha" wesentlich besser beraten sein, denn schließlich handelt es sich bei Mineko Iwasaki um jene Quelle, die Arthur Golden als Inspiration zu seinem Roman diente.

Jedenfalls hat mir dieses Buch außerordentlich gut gefallen und ich empfehle es gerne weiter.


Eure Ricarda.



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Works in progress

  • Jun. 25th, 2009 at 6:32 PM

"Ali" - bzw. meine Version von "Ali" - macht Fortschritt und das schneller als gedacht. Das Rückenteil und die Vorderteile waren ja bereits beim ersten und gleichzeitig letzten Bild fertig. Nun sind auch meine "Angst"-Teile, die Ärmel, fertig geworden. Jetzt wird munter die Nadel geschwungen und das gute Stück zusammengenäht. Mittlerweile ärgere ich mich, dass ich auf aufgeribbeltes Garn zurückgegriffen habe und kein neues nahm. Nun muss ich mit Baby-Blau leben und ... Ach was soll's. Jetzt weiß ich ja, wie es geht, und kann die Jacke in einem tollen Garn, das mir farblich besser zu Gesicht steht, nacharbeiten. Strickjacken kann Frostbeule ... ich meine frau ... nie genug haben.



 



 
 


"
Scheherazade" liegt nicht auf Eis, sondern drohend in der Ecke. ;) Mit dem zur Verfügung stehenden Garn habe ich nun die Borte angestrickt und eine Handvoll Garn übrig behalten. Bevor es nun dem armen Icarus an die gewachsten Flügel geht, will ich erst ein Erfolgserlebnis haben, damit Scheherazade ihre fantastische Geschichte erzählen kann.

Bilder gibt es erst später von dem guten Stück, denn noch habe ich nicht den idealen Bildhintergrund gefunden.


Eure Ricarda.


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"Tolkiens Universum"

  • Jun. 17th, 2009 at 1:59 PM

"Tolkiens Universum"

von Lin Carter (Linwood Vrooman Carter)


Als 1954 "Der Herr der Ringe" erschien, war der Siegeszug und die Begeisterung, die diese Trilogie auslöste, noch nicht abzusehen. Tolkien hatte 1934 den Hobbit veröffentlicht, der rasch zum Kinderbuchklassiker avancierte. Einige Jahre danach versuchte er auch sein später posthum unter dem Namen Silmarillion veröffentlichtes Werk an den Mann zu bringen, doch wurde ihm stattdessen vorgeschlagen, eine Fortsetzung zum Hobbit zu verfassen.
Im Bonusmaterial zur Extended Version der Herr der Ringe-Filme äußert sich der Sohn des Verlegers, dass es wohl ein ziemlicher Schock für einen Verleger ist, wenn er eine Fortsetzung zum Hobbit fordert und dann ein Werk wie den Herrn der Ringe vorgelegt bekommt. Dass sich der Sohn des Hobbit-Verlegers auf dieses "Risiko", denn ein solches war es rein vom finanziellen Aspekt, einließ, muss man ihm hoch anrechnen und danken. Den Erfolg fuhr die Trilogie erst mit dem Erscheinen der Taschenbuchausgabe zu einem erschwinglichen Preis ein. Und der Siegeszug war nicht mehr aufzuhalten.
All das sind Informationen, die man seit dem Hype um die Filme in jedem Zeitungsartikel und jeder Zeitschrift herausfischen kann oder wie ich, aus dem wirklich nicht zu verachtenden Bonusmaterial der Extended Version der Filme.

Seit Januar 2003 steht in meinem Regal ein Buch, das ich in einer Bahnhofsbuchhandlung entdeckte. Ich las die Einführung und war bereits vom ersten Satz recht angetan. Welches Buch beginnt schon mit den Worten: "PLÖTZLICH scheint alle Welt ein sehr langes und merkwürdiges Buch zu lesen, das den Titel Der Herr der Ringe trägt."

Irgendwie war ich sofort Feuer und Flamme, kaufte es und las auf der kurzen Bahnfahrt, die mir bevorstand die ersten zwei Kapitel. Dann landete es, wie leider so häufig bei mir, im Bücherregal. Und jedes Mal, wenn ich an der Stelle vorbeiging, dachte ich bei mir: 'Eigentlich müsstest du es wirklich komplett lesen, denn es versprach interessant zu werden.'
Im Mai/Juni dieses Jahres war es dann so weit. Ich nahm mir Lin Carters durchaus ernstes Buch zur Hand und begann zu lesen. Ich gestehe, ich konnte kaum aufhören.

Lin Carter versucht auf die Grundlage des Herrn der Ringe zu kommen und nachzuvollziehen, von welchen Mythenkreisen sich Tolkien hat beeinflussen lassen. Des Weiteren schlägt er einen Bogen vom antiken Epos (beginnend schon vor Homer mit den Geschichten um Gilgamesch und Enkidu) über die chanson de geste und die spätmittelalterlichen Romanzen sowie ihren teilweise lächerlichen Auswüchsen hin zur Fantasy im 19./20. Jahrhundert zu schlagen. Tiefgründig ist es mit Sicherheit nicht, doch bei einem so geringen Umfang von 217 Seite wollte man kaum etwas anderes erwarten, als dass der Autor lediglich summarisch zusammenfasst und an der Oberfläche bleibt. Verallgemeinerungen bleiben nicht aus. So ist das Buch kaum eine wissenschaftliche Arbeit, jedoch ein interessanter Essay, den ich jedem Interessierten gerne weiterempfehle.
Ein Punkt, den man sich wohl auf der Zunge zergehen lassen sollte, betrifft den Begriff der Fantasy. Auch wenn die mittelalterlichen Romanzendichter und die Verfasser der chansons de geste oder die Dichter des Rolandsliedes oder die der Edda-Versionen Elemente verwenden, die wir heute in den Bereich der Phantastik einordnen und als stilprägende oder wesentliche Merkmale des Genres ansehen, waren diese Elemente für die genannten Dichter keine Elemente der Fantasie, sondern Wahrheit. Selbst wenn sie sie nicht leibhaftig gesehen haben. Es gehörte zum Weltbild, dass es einst Drachen gab und es gehörte zum Weltbild anzunehmen, dass Chimären ihr Unwesen trieben.
Ein weiterer ebenso treffend formulierter Aspekt, der mir so gar nicht recht klar war, obwohl ich mich seit Jahren mit mittelalterlicher Literatur befasse, die Wichtigkeit des Zauberers in der Fantasy und bei Tolkien stammt nicht aus dem Epos. Lin Carter legt dar, dass das Vorkommen von Magie kein Hauptthema ist. Im klassischen Epos würde sie lediglich eine Nebenrolle spielen und lediglich ein Beiwerk zu anderen Elementen sein. Circe, meinte er sinngemäß, sei in erster Linie ein Göttin gewesen und erst in zweiter Linie eine Zauberin. Die meisten anderen Figuren, die als Zauberer interpretiert werden könnten, waren Astrologien, Seher, Weise etc., bei denen Magie nur am Rande eine Rolle spielte.

Dass Tolkien die Idee mit den Ringen nicht alleine hatte, sondern sich auf älteres Gut berufen kann, ist jedem klar, denke ich. Lin Carter erwähnt das Nibelungenlied in seinen diversen Ausformungen und vergisst natürlich auch Richard Wagner nicht. Die Quellen sind eindeutig, doch so schön neu zugefügt und erzählt, findet man selten. Viele Elemente der nordischen Mythen sind im Herrn der RInge zu finden. Sobald man liest, dass sie enthalten sind, ist es so klar und so naheliegend, dass man sich fragt, warum man nicht selbst darauf gekommen ist. Ob es das zerbrochene Schwert ist oder der verfluchte Schatz, ob es das dreimalige Scheitern des Helden ist oder das Selbstopfer anderer. Der zweifache Weg eines Epos ist enthalten. Ob nun die Quest, die darin besteht, einen Schatz zu finden, einen Fluch zu besiegen oder nach Hause zurückzukehren und dass gemeinsame Abenteuer von Gefährten, die in den Krieg ziehen. Beides ist vorhanden und läuft parallel und dennoch wieder nicht.

Ich merke schon, dass mir das Buch sehr viel gegeben hat. Kann ich sagen, dass es mir gefiel? Ja. Das kann ich, denn selbst wenn ihm die für ein so komplexes Thema wie Tolkien die eigentliche Tiefe fehlt, regt es zum Nachdenken an, liefert sehr vieles Informatives und ist denn kurzweilig, was man nicht von allen Essays sagen kann.

Achja, es erschien bereits 1969 im Verlag, in dem auch Tolkiens Erstausgabe der Trilogie erschien. Bezeichnend für einen integren Mann wie Tolkien ist wohl diese Aussage zu werten:

Besonders Untersuchungen über seine [Tolkiens] Werke (ich nehme an, auch eine solche wie diese) sieht er als Ärgernis an. Er ist der Meinung, sie seien verfrüht. Auf die Frage, ob er diese Art der intensiven Forschung gutheiße, antwortete er: "Nein, jedenfalls nicht, solange ich noch lebe." (Carter, Lin: "Tolkiens Universum. Die mythische Welt des 'Herrn der Ringe'. München 2002, S. 52.)

Das scheint bezeichnend zu sein. Als Autor, vor allem als Koryphäe auf dem Gebiet der altenglischen Literatur und Sprache, müssen einige Forschungsbeiträge zu Lebzeiten wie ein Schlag ins Gesicht gewirkt haben. Ob Tolkien auch ein Problem mit Carters Abhandlung hatte, kann ich nicht beantworten und, um mir den Lesegenuss in Erinnerung zu halten, werde ich diesbezüglich auch keine Nachforschungen anstellen. ;)

Eure Ricarda.






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"Stolz und Stachelbeeren"

  • Jun. 12th, 2009 at 12:10 PM

"Stolz und Stachelbeeren"
von Kate Fenton


Man könnte mich mittlerweile eine eingefleischte Austen-Liebhaberin nennen. Ich gestehe, ich verschlinge ihre Bücher und ich verschlinge Literatur über sie, mit ihr und Fortsetzungen ihrer Werke. Nun, ganz so schlimm wie beim "Herrn der Ringe" ist es noch nicht, doch schlimm genug, um es an dieser Stelle zu erwähnen.

Neulich kam mir also "Stolz und Stachelbeeren" in die Finger, im Original "Lions and Liquorice" oder auch "Vanity and Vexation", aus der Feder von Kate Fenton. Diese Adaption von "Stolz und Vorurteil" verlegt die Handlung des Austen-Klassikers in die Moderne, in ein verschlafenes kleine Dorf in Yorkshire, dessen beschauliche Ruhe durch eine Film-Crew arg durcheinander gewirbelt wird. Die Filmleute haben nichts besseres zu tun, als gerade in diesem Dorf, das sich der Schriftsteller Bevan als Domizil ausgesucht hat, Stolz und Vorurteil zu drehen.

Mir ist es noch nie so schwer gefallen, meine Meinung zu einem Buch zu schreiben.

Mit den üblichen Verwicklungen und Problemen, die wir aus Austens Roman kennen, entsteht ein amüsanter Roman, desses Knackpunkt ein Ineinanderlaufen von Fiktion und Realität ist. Beinahe könnte man diese Geschichte als Metaroman auffassen. Im Roman wird geschrieben, wie ein Roman geschrieben wird.

Hauptheld und die Lizzy ist der aufstrebende Schriftsteller Nicholas Llewllyn Bevan. Durch das Auftauchen der Filmcrew inspiriert, handelt sein neues Manuskript den Plot aus Stolz und Vorurteil in der Moderne mit vertauschten Geschlechterrollen ab. Darcy wird von der geschäftstüchtigen, "kalten" Mary, der Regisseurin verkörpert. Der Witz, aber auch gleichtzeitig das Problem des Buches ist ein Handlungssprung in der Mitte. Der Leser weiß, dass Bevan an einer modernen Adaption von Stolz und Vorurteil arbeitet. Er hat eine Flaute und die Tatsache, dass eine Filmcrew einem Schwarm Möwen gleich über das Dorf herfällt, bringt ihn auf die Idee, diese Flaute durch etwas abzukürzen, das so gar nicht sein Ding ist. Er, der Thriller-Autor, versucht sich an einer Romanze. Etwa in der Mitte des Buches, als die weibliche Variante von Mr Collins einfällt, muss der Leser mit einem starken Bruch in der Handlung zurechtkommen, der alles, was er bisher gelesen hat, in einem ganz anderen Licht erscheinen lässt. Denn der erste Teil entpuppt sich nicht als geschrieben Realität, sondern als geschrieben Fiktion. Der Leser hat nichts anderes getan, als das Manuskript zu verschlingen, an welchen Nicholas Llewllyn Bevan gerade gearbeitet hat. Durch die Augen seiner Exfrau werden dem Leser die Unterschiede zwischen realem Geschehen und dem Manuskript geschildert. Die zweite Hälfte des Buches konfrontiert den Leser mit der Realität. Es sind die Passagen, die wir aus Austens Roman als den Besuch bei den Collins, der Fahrt nach Derbyshire und dem Fall Lydia kennen. Jedoch handelt es sich hier nicht mehr um das Manuskript, sondern um das reale Geschehen in Bevans Leben.

Dieser Bruch, egal ob gewollt oder durch eine Schreibblockade und einem Festhängen im Text ausgelöst, ist klasse. Ehrlich. Ich saß lachend vor dem Buch und dachte so ... cool, damit hätte ich weniger gerechnet, vor allem weil mir das Auftauchen der weiblichen Variante Mr Collins' ziemlich übertrieben und aufgesetzt vorkam. So kann man als Schriftsteller auch Klippen umschiffen. Jedoch sollte man dies nicht allzu häufig machen, da es sonst keinen Überraschungeffekt mehr gibt. Ähnliches trifft auf Träume zu. Sparsam eingesetzt, ist super und amüsant, doch sollten solche Kunstgriffe nicht zur Regel werden.

Ob mir das Buch gefallen hat? Und ob. Es sind sehr witzige Dialoge enthalten, Mary ist eine starke Frauenfigur und Bevan ein Herzchen, das keine Scheu hat, auch die eigenen Schwächen zuzugeben. 

Zu Fentons Stil kann ich nichts sagen, da ich leider nur die Übersetzung gelesen habe. Was ich - wieder einmal - an der Übersetzung bemängle ... wenn der Autor im Titel bereits eine amüsante, inhaltsbezogene Vorlage für eine Alliteration gibt, die in der Übersetzung auch eine wäre, warum dann diese nicht verwenden? Scheinbar war der 'versteckte' Hinweis auf das Original nicht zu vermeiden. Nicht etwa, weil wir Deutschen so doof sind, sondern weil sich Bücher besser verkaufen lassen, wenn auch der Titel keine Fragen offen lässt. Im Barock hatte sich das bewährt ... mehr oder weniger. Seitenlange Buchtitel und ellenlange Untertitel nun gut ... hier haben wir eben einen sprechenden Titel. 

Dass sich am Ende alles zum Wohlgefallen der meisten Personen aufklärt, ist in Anbetracht der Vorlage nicht zu leugnen. Jedenfalls hat mich die Lektüre sehr amüsiert und dass man sich nach gut der Hälfte des Buches auf andere Nachnamen der Protagonisten einstellen musste, war halb so schlimm.

Allerdings wird jemand, der das Original nicht kennt, kaum die versteckten Anspielungen erkennen und auch Probleme in der Zuordnung der Personen haben.

Eure Ricarda.



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Scheherazade "Problems and Solutions"

  • Jun. 12th, 2009 at 11:22 AM

Scheherazade entpuppte sich mit der Zeit zu einem Damoklesschwert, im wahrsten Sinne des Wortes. Es begann damit, dass mir das Garn verhedderte. Das Garn ist gefacht und bei den verschiedenen Lauflängen der einzelnen Bestandteile war es eine Frage der Zeit und der Ungeschicklichkeit, bis die Fäden auf ihren Willen beharrten und ihrer eigenen Wege gingen. Das Lurexfädchen wuselte gute zehn Zentimeter entfernt von den anderen Fädchen herum.
Ein Grund, das Strickwerk erst einmal diskret zur Seite zu legen und sich mit anderen Projekten zu befassen. Es lag also im Handarbeitskörbchen zwischen Häkelgarn und einer Probestrickerei und geduldete sich.

Nun nahm ich es - in dem Wissen, dass der Termin zur Fertigstellung drängt - wieder zur Hand, bekam die verhedderten Fäden in den Griff und strickte munter weiter. Bis ich nach einiger Zeit die Panik im Nacken spürte ... jenes Grauen, das jeder Stricker und jede Strickerin kennt. Das Garn reicht niemals! Mittels Waage und Dreisatz kam ich zu dem Schluss, dass das Material nur noch für etwa 3/4 des Gestrick reichen würde. Ich versuchte Garn nachzubestellen, doch es ist nicht mehr im Sortiment. Ich schrieb die Inhaberin des
Onlineshops an. Sie war sehr lieb und freundlich, doch leider konnte sie mir keine guten Nachrichten übermitteln.

Da meine Freundin eine Wollallergie hat, kommen nur Pflanzen- oder Chemiefasern oder Seide in Frage. Das Garn, mit welchem ich stricke, ist eine Mischung aus Chemie und Baumwolle. Ich war ziemlich fertig und habe nach Alternativen gesucht. Man wird betriebsblind und ehrlich gesagt, ich bin nur auf Baumwolle und Seide gekommen. Es gibt wunderbare Shops, die diese im Angebot haben, doch es hätte geheißen, das gesamte Gestrick noch einmal aufzuribbeln und mit dem neuen Garn noch einmal zu beginnen. Es ist auch eine Frage des Preises. Meine Freundin würde mir den Hals umdrehen, wenn sie irgendwann erfahren hätte, dass ich für den Schal ein kleines Vermögen ausgegeben hätte.

Ich suchte herum und habe einen sehr netten, beruhigenden und informativen Mailkontakt mit
Arlene gehabt. Sie hat es geschafft, dass ich wesentlich entspannter und positiver an das Desaster herangegangen bin. Sie hat eine Vielzahl an Alternativen vorgeschlagen, sodass ich einen roten Faden hatte, wo und vor allem wonach ich suchen konnte.

Im Endeffekt hat allerdings meine Mutter die Situation gerettet.

Könnt Ihr Euch noch an den
Icarus erinnern? Der ist sooo riesig geworden, dass ich mich dreimal/viermal  darin einwickeln kann. Sie hat mir den Vorschlag gemacht, den Icarus zu verkleinern und mit dem Garn das Hochzeitsgeschenk zu vervollständigen. Also wird alles zu einem guten Ende kommen. Die Ribbelarbeit wünschte ich zwar schon hinter mir zu haben, doch ... hey ... ich habe Garn. ^___^


Nicht ganz aktueller Stand:



Der Scheherazade wird in der Mitte begonnen. Ich hatte damals mit dem Restgarn vom Icarus meiner Mutter begonnen und als dieses nach der Hälfte der Hälfte verstrickt war, habe ich den provisorischen Anschlag bereits aufgelöst und munter bei der zweiten Hälfte begonnen. Daher komme ich nun auf 3/4. Zur Zeit bin ich so weit, dass die Borte ans erste Ende angestrickt werden kann. Es wird super, wenn ich mich mal selbst loben darf. Der gierige Blick einer anderen Freundin verheißt mir jedoch, dass das nicht der letzte Scheherazade gewesen sein wird. ;)


Eure Ricarda.

Neues Projekt

  • May. 16th, 2009 at 7:37 PM

Ah, ehe ich es vergesse, ich stricke neben Scheherazade auch noch an einem anderen Projekt, das ich kurz erwähnen möchte. Ich bin ein "Fan" von Kim Hargreaves' Designs, von einigen, um genau zu sein. Ich liebe den schlichten Schnitt und die nach außen hin einfachen Muster, die sie in den meisten ihrer Modelle an Anwendung bringt.

Darum bin ich auch froh und glücklich, eines ihrer Bücher zu haben. Aber wie die Dinge nun einmal liegen, wenn man eine alte Strickjacke auftrennt, weil man sich mit dieser nie so wirklich anfreunden konnte, weil der Schnitt unförmig war und man sich einfach nicht mehr wohl fühlte, will man diese sofort und auf der Stelle ersetzen. Dann ist es natürlich dumm, wenn für die Ribbel-Wolle kein geeignetes Motiv im besagten Buch ist. Also muss ein neues her - ein neues Motiv, kein neues Buch. Letzteres muss Zeit haben. ;)

Na gut, also wurden die Seiten durchforstet und ... es war Liebe auf den ersten Blick.
"Ali" aus dem neuen Buch "Breeze".

Ich bin ein geduldiger Mensch, nur bei Strickmustern bin ich es absolut nicht. Ich kann nicht darauf warten, dass das Buch kommt - abgesehen davon, dass ich es so und so noch bestellen muss. *Memo verfass* Ich muss es sofort haben. Also hab' ich ein neues Projekt gestartet, meinen Körper ausgemessen, die Bilder analysiert, festgestellt, dass ein ähnliches Schnittmuster bereits in dem Buch existiert, das ich habe, ein wenig in der Länge zugegeben und angefangen ...

Hilfe, ich habe sogar eine Maschenprobe gemacht und akribisch Buch über das WIE geführt. Und so weit bin ich bisher.


Es macht sehr viel Spaß und ist weniger kompliziert, als gedacht. Wenn Ali fertig ist, gibt es mehr Bilder.

Liebe Grüße,
Eure Ricarda.

PS: Copyright ist natürlich bei Kim Hargreaves. Egal wie viel ich verändere und anders mache.

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News and sign of life

  • May. 16th, 2009 at 6:41 PM

Ein Lebenszeichen tut wohl wieder mal Not und das gebe ich gerne, denn ich habe in meinem Gepäck ein süßes kleines Kerlchen, das noch ohne Namen ist.

Nein, ich habe mir keinen Kater angeschafft und auch keinen kleinen Hund. Ich habe mir einen Traum erfüllt, den ich schon seit längerem gehegt habe. Es gibt einen kleinen Kerl, der seit meinem 12. Lebensjahr mein Freund und Begleiter war. Er ist nicht sehr groß, war mal schneeweiß und wuschelig, hat süße Knopfaugen und ist einfach ein süßes Kerlchen.
 



 

Den muss man doch nacharbeiten können und man konnte. Das Ergebnis ist dieses hier:
 



Eine ziemliche Friemelarbeit und ich hab's mir mal wieder schwerer gemacht, als zwingend erforderlich gewesen ist. Aber sei es drum. Mal sehen, ob ich einen einfacheren Weg finde, das Baerchen zu arbeiten. Mir gefällt es. Es überblickt jetzt vom Regal aus das gesamte Zimmer. ;)

Eure Ricarda.

 



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Scheherazade "Cast On"

  • Mar. 20th, 2009 at 6:04 PM

Bereits im Januar habe ich Scheherazade von Melanie Gibbons angeschlagen, für eine sehr liebe Freundin, die im August heiraten wird. Sie hat sich eine Stola gewünscht und sich in die SommerLinde von WollLust verliebt. Beim Icarus hatte sie das Garn gesehen und daher soll sie Scheherazade auch in dieser Farbe und dieser Qualität bekommen. Ich hoffe, dass das Material reicht, denn wie immer bei mir, ich kriege bei solchen "großen" Objekten Panik, ob das Material auch reicht. ;)

Viel hat sich seit dem Januar nicht getan. Der aktuelle Stand ist im Augenblick dieser hier:
 




Also allzu weit bin ich noch nicht.



"Flieder" von Herbert Niebling

  • Mar. 20th, 2009 at 5:29 PM

"Es" ist fertig. "Es" ist vollbracht. Was sich hinter "Es" verbirgt? 

"Flieder" von Herbert Niebling und ein Geburtstagspräsent für meine Tante in einem. Irgendwie war es schon verblüffend, wie rasch die Arbeit vor sich ging und dann am Ende eine Decke fassungslosen Ausmaßes vor sich liegen zu haben. Ehrlich? Das nächste Mal werde ich erst nach den Maßen schauen, dann nach persönlichem Geschmack gehen und schließlich die Maschen anschlagen. Denn dieses Mal habe ich erst nach der Wohlgefälligkeit des Musters gesehen, dann die Maschen angeschlagen und erst nachdem der erste komplette Chart gestrickt war, entsetzt nach den Maßen geschielt. Also ... Memo an mich: "Erst die Maße, dann der Rest!"

Daten

Maße: ca. 135 cm x 85 cm
Material: Uschi Wolle Filigran Baumwolle Solid;100% Baumwolle
Nadeln: 2,5 Nadelspiel; 2,5 Rundstricknadel 60 cm *hust* (ziemliches Ge; 1,25 Häkelnadel

Begonnen: 17. Februar 2009
Beendet: 20. März 2009

Muster: "Flieder" von Herbert Niebling aus Kunststricken: Große und kleine Decken



Weitere Bilder auf meinem
Ravelry-Account.


 
 

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"Der Geist der Bücher"

  • Mar. 12th, 2009 at 12:08 AM

"Der Geist der Bücher"
von Christoph Wortberg und Manfred Theisen

Ja, es ist ein Jugendbuch und ja, ich bin schon aus dem jugendlichen Alter raus. Doch Literatur ist grenzenlos und wer sich als Erwachsener an Altersgrenzen hält oder Empfehlungen orientiert, dem würde eine Reihe guter Bücher entgehen. Ich rede hier nicht nur von der "Harry Potter"-Heptalogie, sondern auch von anderen sogenannten Jugendbüchern, die sich heimlich still und leise in die Regale erwachsener Leser schleichen.
Die gesamte Aufteilung zwischen Kinder-, Jugend- und Erwachsenenliteratur ist meiner Ansicht nach ohnehin recht künstlich. Eindeutiger sind schon Einordnungen in Genre und Subgenre.
Ein Genre ist der Bereich der Phantastik und ein Unter- oder auch Subgenre die
Contemporary Fantasy
, zu der auch "Harry Potter", "Bis(s)" und "Der Geist der Bücher" zählen. Bis(s) habe ich nicht gelesen und wenn man mich nicht zwingt, werde ich diese Reihe auch nicht lesen. Harry ist mein Liebling, zumindest als Namensgeber für die Romanreihe und was den "Geist der Bücher" betrifft, so mag das Genre das gleiche sein, das Subgenre ebenso, doch qualitativ reicht es weder an Harry noch an etwas anderes heran. Ergo: Ein Fehlkauf.

Liegt es an den deutschen Autoren? Können sie keine Fantasy-Romane schreiben? Wohl kaum. Auch wenn ich kein Fan Wolfgang Hohlbeins bin, so spricht der Erfolg seiner Bücher für die Tatsache, dass Deutsche durchaus fantasy-tauglich sind. Dann würde es weder die Elfen-Reihe Bernhard Hennens geben und von einem Markus Heitz hätte noch niemand gehört. Dann würde kein "Sturmwelten" eines Christoph Hardebusch beworben werden und die Regale kennten auch keine Perry Rhodan-Bücher. Das sind doch Indizien für ein Vorhandensein und auch Können in Bereich Fantasy und Science Fiction.

Die beiden Autoren des "Geist(es) der Bücher" sind preisgekrönt. Christoph Wortberg erhielt 2007 den Hansjörg-Martin-Preis für sein Buch "Die Farben der Angst" und auch Wolfgang Theisen ist kein unbeschriebenes Blatt in punkto Literatur. "König der Welt" von 2006 soll ebenfalls prämiert sein. Sie können also was.
Es ist möglich, dass ich für dieses Buch wirklich zu alt bin, doch beim Lesen habe nichts von der versprochenen "rasanten Schreibweise" gemerkt. Es ist ... langweilig und enttäuschend.

Worum es geht?
Ben ist 15 Jahre und lebt seit vier Jahren bei seiner alleinstehenden Tante in New York. Sie ist professionelle Autorin, sogar eine sehr gute und erfolgreiche, und vergräbt sich in ihrer Arbeit. Ben ist nach dem Tod seiner Eltern bei einem Flugzeugabsturz zwar versorgt und dennoch auf sich allein gestellt. Seine Tante versucht den Schriftsteller in ihm zu wecken.
Als Tante Lynn entführt wird und Ben in ihrem Heiligtum nur eine Hälfte eines Amuletts findet, das die Tante niemals ablegte, weiß er, dass er sie suchen muss. Dunkel gewandete Gestalten, die eine Art Kunstmischung aus Mittel- und Frühneuhochdeutsch sprechen, hinterlassen ihre Spur und einen ekligen Geruch. Ben folgt selbigen welchen und wird in die Welt der Literatur geführt. Sein erster "Sprung" in die Bücher führt ihn nach Verona, wo er "miterlebt", wie Romeo von den dunkel gewandeten Gestalten niedergemetzelt wird - zumindest erfährt er von Mercutio davon - und folgt diesem zu Julia. Zusammen mit diesen beiden Shakespeare-Wesen springt Ben scheinbar willkürlich durch einige Bücher der Weltliteratur. Es ist Faust dabei, Madame Bovary, Anna Karenina, Robinson Crusoe, das Fräulein von Scudéry etc. und endet schließlich bei Dantes Divina Comedia.
Hinter allem steckt der böse Gongar, der es sich zur Aufgabe gestellt hat, die "positiven" Gestalten der Weltliteratur auszurotten. Er will die Bücher verändern.

Die Idee ist gut, sie ist wirklich gut, doch scheint mir das Buch lieblos dahingeschrieben. Die einzelnen Szenen wirken zusammenhangslos, als hätte jeder Autor für sich getippselt und aneinandergefügt, ohne am Ende eine Gesamtredaktion vorzunehmen. Wer der Intrigant ist, fällt einem aufmerksamen Leser, sei er nun 12, 15 oder 35 oder 70 bereits nach dem ersten Viertel des Buches auf und auch warum. Parallelen sind nicht wirklich zu erkennen, doch es wird an einigen Stellen recht deutlich, dass die beiden sich von anderen Werken als den auftauchenden Büchern haben inspirieren lassen. Warum nicht.
Mir fehlt in diesem Buch die Tiefe, die andere Bücher für ein Lesealter von 14. Ben ist mir an vielen Stellen zu erwachsen und an vielen Stellen zu kindlich für 15. Er denkt an sehr vielen Stellen wie ein Erwachsener, sehr raffinierter Erwachsene und dennoch bekommt die einfachsten Intrigen um sich herum nicht mit. Er ist zu naiv und zu wissend in einem. Er redet an einigen Stellen altklug daher, zum Beispiel erteilt er Madame Bovary einen Rat in Sachen Ehe und in Sachen eigene Bedürfnisse. Das ist Grotesk. Sicher, vieles wird in den Materialien zu den Literaturen behandelt und erörtert, doch wenn dieses Wissen vorliegt, hätten die beiden Autoren den Jungen Ben am Anfang anders einführen müssen. Er erscheint als Junge, der den Büchern zwar nicht grundsätzlich abgeneigt ist, doch ein rigoroses Unverständnis an den Tag legt, wenn seine Tante von der fiktiven Welt als realer Welt redet, im Moment des Lesens. Er versteht den Wert der Literatur nicht und setzt dem Wunsch der Tante, er möge sich für den Moment des Lesens auf die Abenteuer einlassen, das leere Gefühl entgegen, wenn die Realität einen wieder einholt. Es sind wunderbare Momente in dem Buch, doch diese bleiben am Rand stehen, ohne dass näher auf die eingangen wird.
Das Ende ist fantasielos und so leicht, wie ein Ende nur sein kann. Optisch und Inhaltlich wird ein Rahmen geschlossen, was eine stilisch gute Sache ist. Doch wie es der Fall bei vielen stilistischen Sachen ist, es gibt gute Ausführungen und schlechte, geniale und einfallslose, komplizierte und einfache. Die beiden haben den Weg des geringsten Widerstandes gewählt und sich für die einfache Aufgabe entschieden.

Fazit:

Ja, ich habe es zuende gelesen und danach der Bibliothek geschenkt. Die freut sich, wenn sie Bücher bekommt, ohne Mittel dafür aufwenden zu müssen. Ein gutes Werk getan und mir selbst keinen Schaden zugefügt. Kann ich es empfehlen? Dem erwachsenen Leser würde es nicht zumuten wollen. Hier ist die Unterscheidung zwischen Jugendliteratur und Erwachsenenliteratur sinnvoll. Ich habe Renzensionen von Jugendlichen gelesen, die begeistert vom Buch waren und ich las Rezensionen von Erwachsenen, denen es ebenso ging. Sonst hätte ich es mir auch nicht zugelegt. Denn was deutsche Fantasy-Autoren angeht bin ich, trotz der obigen Aussage, pessimistisch denkender Realist. Sprich: Realist mit der Tendenz zum Pessimisten. Ich mag zu hart urteilen, doch nachdem klar war, wer die Intrigen spinnt, war die Luft raus.

Eure Ricarda.



gelesen: Februar 2009

Emma Tennant

  • Mar. 9th, 2009 at 8:26 PM

"Pemberley" oder "Wie man es nicht macht"


Als bekennender "Jane Austen"-Fan habe ich eine kleine Affinität zu Fortsetzungen ihrer Werke und neuen Perspektiven, die ihre Werke beleuchten. Also habe ich mit einigem Vergnügen "Jane Fairfax" von Joan Aiken gelesen und das Buch gemocht. Da fällt mir ein, dass ich das Buch ja noch gar nicht hier rezensiert habe. Muss ich dringend nachholen. In Jane Fairfax geht es um einen "Nebencharakter" aus Austens "Emma".

Mit etwas weniger Vergnügen las ich "Der Schmuck der Lady Catherine". Hier wagte Aiken sich an mein Lieblingsbuch Austens "Pride and Prejudice". Es war nicht schlecht, aber auch nicht gut.

Jetzt lese ich zurzeit zwei Austen-Variationen. Zum einen den ersten Band einer Trilogie aus der Feder Pamela Aidans. Sie schildert "Pride and Prejudice" aus der Sicht Mr. Darcys. Es ist amüsant geschrieben, wenn ich auch mit diesem Englisch einige Schwierigkeiten habe. Aber wozu gibt es dict.leo.org? Genau, zum Nachschlagen und damit macht das Lesen Spaß. Es ist interessant und gut, bisher. Ich hoffe, dass es so bleiben wird. (Rezension kommt, wenn ich ein Buch nach dem anderen ausgelesen habe.)

Mit "Pemberley" von Emma Tennant habe ich aber den größten Griff ins Klo gemacht. Ich bin mir sicher, dass es nicht nur an der Übersetzung liegt, sondern an der Geschichte an sich.

Inhaltliche Aspekte

Wenn eine Autorin schon den Versuch macht, eine Fortsetzungsgeschichte zu einem Klassiker zu verfassen, sollte sie diesen Klassiker auch aus dem Effeff kennen. Es tut mir leid es zu sagen, sie tut es nicht. Die Charaktere sind nicht nur mies herübergebracht, sie sich einfach ... "falsch". Wenn aus Elizabeth (Bennet) Darcy mit einem Mal ein verhuschtes Mäuschen wird, das sich nicht einmal mehr verbal wehren kann, was immer eine von Elizabeths Stärken gewesen ist, macht es mich wütend.
Wenn eine Mrs. Hurst, die zwar ein bissige Zunge hat, sich mit einem Mal über das edle Aussehen eines hohen Fußspanns auslässt und so die Raffinesse ihrer spitzen Bemerkungen gegen Elizabeth vermissen lässt, hat es etwas Groteskes, das in einer Parodie durchaus durchgeht, ja dort sogar zur allgemeinen Erheiterung beiträgt. Wenn mit einem Mal eine zusätzliche Tante der Bennets auftaucht, die in Cheapside wohnt, wobei jedem Austen-Leser klar ist, dass jene Tante aus Cheapside jene Mrs. Gardiner ist, die bei Emma Tennant aber bereits vor Ort ist ... dann tut das weh. Achja, am Ende des Buches wurde dann klar, dass die Tante in Cheapside niemand anderes als Mrs. Philips ist, die in Meriton logiert.
Über die Storyline an sich breitet man lieber die Hülle des Schweigens. Es lohnt sich nicht, darüber auch nur ein Wort zu verlieren. Nur so viel ... es ist alles schon einmal dagewesen, einiges stammt aus den Büchern Jane Austens, nur das diese es wesentlich besser in Szene zu setzen verstand.

Übersetzungstechnische Aspekte


Auch wenn es zur Qual ausarten kann, zeigt dieses Buch wieder einmal, wie ausschlagend es sein kann, ein Buch in seiner Originalsprache zu lesen. Sollte jemand auf die Idee kommen, "Pemberley" lesen zu wollen, dann bitte, bitte, bitte ... auf Englisch lesen, denn die Übersetzung von 1993, 2. Auflage 1996 von Susanne Lüdcke ist eine Katastrophe, ein Urteil, das ich als subjektiver Leser fälle und dazu stehe.

"Pride and Prejudice" erstmals erschienen 1813 und geschrieben um 1796/97 entstand und spielt also zu einer Zeit, in der Kutschen und Pferde das übliche und auch einzige Fortbewegungsmittel zu Lande waren - abgesehen von per pedes. Wenn also in einer Zeit, zu der an Fortbewegung von Personen auf Schienen als öffentlichem Transportmittel noch nicht gedacht werden kann, taucht im Buch ein Zug auf. Sicher, es gab die Fortbewegung auf Schienen in Wagons, die von Pferden gezogen wurden, doch dienten diese Konstruktionen dem Güterverkehr. Na gut, ab 1803 gab es die Surrey Iron Railway. Doch auch diese wurde von Pferden gezogen und diente dem Güterverkehr. Etc.
Sicher, die Rede ist Buch von Postbeförderung - ich sollte mir solche Stellen wirklich notieren, um sie zitieren zu können - doch die wurde in Großbritannien erst ab 1830 per Bahn befördert.
Entweder handelt es sich also um einen inhaltlichen Fehler oder einen Übersetzungfehler. Ich tendiere zu letzterem, da ich der Autorin aufgrund ihrer Erfahrung einen solchen dicken Schnitzer nicht zutraue.

Ein zweiter, definitiver Übersetzungsfehler dreht sich ums Anrufen. Ja, richtig gelesen, ums Anrufen. To call hat im Englischen mehrere Bedeutungen und steht bei Austen und in Austens Zeit für jemanden seine Aufwartung machen. Ich finde, dass dieser Schnitzer schon keiner mehr ist, sondern ein regelrechter Faux-pas.

Eines ist mir noch aufgefallen. Ich bin in dem Buch dem pommerschen Superperfekt begegnet, nein, ich korrigiere mich, dem pommerschen Superplusquamperfekt, einer Zeitform des Verbs, die auch für mich neu ist.

Ich zitiere: "..., hatte die Frau des Verwalters im Ruhestand übernommen gehabt, ..." (S. 92)

entweder: ... hatte übernommen (normales, normgerechtes Plusquamperfekt im Aktiv)
oder: ... war übernommen worden (normales, normgerechtes Plusquamperfekt im Passiv)
falsch: ... hatte übernommen gehabt. (pommersches Superplusquamperfekt)

Fazit

Alles in allem, das Buch ist Schund. Es ist Trash par excellence. Ich habe nichts gegen Trivalliteratur. Ich lese sehr gerne Cora-Romane aus dem Bereich MyLady, jedoch haben die zumindest ein fundiertes Gerüst und die Autorinnen weisen ein relativ sicheres Gespür für historische Hintergründe auf. Das kann man in diesem Emma Tennant Roman nicht erwarten.

Das Buch ist schleppend geschrieben, es hat keine guten Dialoge, die Beschreibungen sind grauenvoll langweilig und lassen an Liebe zum Detail vermissen.

Froh bin ich, es aus der Bibliothek ausgeborgt und nicht käuflich erworben zu haben.




gelesen: Februar 2009

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Russian Queen

  • Aug. 23rd, 2008 at 9:40 AM

Und wir setzen mit Lace-Knitting fort. Vor einige Zeit habe ich zusammen mit der Wolle für den Icarus Shawl auch eine Anleitung von Birgit Freyer (Die WollLust) erstanden: Russian Queen.

Mit LaceCotton will ich dieses Dreieckstuch stricken, einfach um zu schauen, wie sich die Wolle verarbeitet und wie sich ein Tuch auf diese Weise fertigen lässt. Ich bin zwar, was Ajour-Muster betrifft kein Anfänger mehr, doch was Tücher angeht, kann ich mich kaum als etwas anderes bezeichnen.

Vor einigen Tagen, als ich "Anne of Green Gables" gesehen habe, habe ich dann die Anleitung von Russian Queen herausgenommen und es ausprobiert. Ich habe mit dem Rest SommerLinde angeschlagen, bin auf zehn Reihen gekommen und habe vorsichtig geribbelt. Ich habe ein langweiliges Restgarn genommen, habe angeschlagen, bin bis auf fünfzehn Reihen gekommen, habe Kaffee gekocht und geribbelt. (Anne hatte mittlerweile Diana betrunken gemacht) Dann dachte ich, was soll's, vielleicht klappt es ja mit LaceCotton. Also erneut angeschlagen,  begonnen und juchuu, die erste Hürde ist fast geschafft. Ich bin bei Reihe vierzig. In dem Dreh.

Ich verarbeite das weiche Baumwollgarn allerdings nicht mit der empfohlenen Nadelstärke 5,0 sondern mit der 3,5. Es liegt mir nicht, so einen schmalen Faden mit einer so dicken Nadel zu stricken, auch wenn das Ergebnis natürlich wesentlich lockerer wäre. Bisher ist das Gestrick dennoch sehr weich und fluffig. Noch gefällt mir das Muster.



Daten

Material: LaceCotton von der WollLust in Aubergine (ich glaube, diese Farbe gibt es dort nicht mehr)
Nadeln: 3,5 Rundstrick

Begonnen: 18. August 2008

Baby Cardigan "The Fourth"

  • Aug. 23rd, 2008 at 9:31 AM

Ja, sie strickt noch. ;) Nachdem ich mich mit Ravelry auseinandergesetzt habe und dort mittlerweile durchsehe, das erste Staunen hinter mich gebracht und mich eingerichtet habe, habe ich auch wieder "Zeit" mein Tagebuch zu füttern.

Was ist alles geschehen? Natürlich nur rein stricktechnisch. Also gut. Fangen wir mit dem Baby-Jäckchen für Fiete an. Der erste Versuch für ihn wurde ja geribbelt. Der Kontrast zwischen dem dunklen Grün und dem Weiß war einfach zu groß. Von dem Dunkelgrün konnte und wollte ich mich nicht verabschieden, also wurde es mit einem hellen Grün verheiratet und verstrickt. Ich bin ganz stolz auf mich, denn zu diesem Baby-Jäckchen hat mich nichts inspiriert, sondern es ist komplett auf meinem Mist gewachsen. *freu und rumhüpf*



Daten

Größe: 86/92 (eher 92)
Material: Schachenmayr Bravo in Dunkelgrün und Hellgrün
Lauflänge: 133m/50g
Zusammensetzung: 100% Polyacryl
Nadeln: 4,0 und 5,0 Rundstricknadel
Zubehör: 6 Knöpfe in mit Panda-Motiv von Kaufhaus Stolz (Wahnsinn was die für eine Auswahl haben)

Icarus Shawl - It's done

  • Jul. 29th, 2008 at 2:14 PM

Es ist geschafft. Der Icarus Shawl ist fertig und ja, ja, ja, ja, ja ich freue mich riesig darüber. Das Geburtstagsgeschenk kann dann morgen - pünktlich - überreicht werden und ich hoffe sehr, dass sich selbiges darüber freuen wird.

Nachdem ich beim Bind off total auf dem Schlauch gestanden habe und eine panische Mail an die YahooGroup "Stricknetz" verfasste, hat mir Ester erklärt, wie es geht. Ich wusste wirklich nicht, dass es einen besonderen Bind off für Lace-Tücher gibt. Wie heißt es so schön? Man/frau lernt immer noch dazu. Zum Glück.

Also, hier sind die beiden Bilder, die ich vor dem Einpacken des Shawls noch rasch geknipst habe.








Die Bilder sind leider nicht von so guter Qualität. Doofe Lichtverhältnisse zur Zeit. Ich selbst sehr einfach zu fertig aus, als das den Besuchern dieses Blogs anzutun.

Der Shawl ist tierisch groß geworden. Auf dem Bild mit *hust* Model ist es nicht so zu erkennen, denn dort wurde er um den Hals etwas gerafft. Sobald das Geburtstagskind das gute Stück ausgewickelt hat, wird es noch gewaschen und gespannt. Ich weiß, dass diese Reihenfolge unüblich ist. Man möge es mir verzeihen.

Und nun noch die Daten:

Größe: Wird noch gemessen, wenn er gespannt ist.
Material: SommerLinde von WollLust gut 400g mit Nadel 5,0 verarbeitet.

Begonnen: 04. Juli 2008
Beendet: 29. Juli 2008

Surprise

  • Jul. 27th, 2008 at 10:50 PM

Was mag denn da drin sein?

 

Der letzte Donnerstag war ein wunderbarer Tag. Ich hatte das große Vergnügen, Atti kennenzulernen. Wir haben einen herrlichen Nachmittag miteinander verbracht.
Eigentlich hätten wir uns bereits im letzten Oktober zum Kaffee trinken treffen sollen, doch wie der Zufall es will, haben wir uns verpasst. Darum hat es mich umso mehr gefreut, dass dieses Mal alles, wirklich alles, geklappt hat. Wir haben in Stralsund ganz gemütlich am Kanal in der Nähe des Hafens und der Heilgeistkirche gesessen, Kaffee getrunken, viel gelacht und uns sehr gut verstanden. Rasch vergingen die Stunden und uns ging nicht ein einziges Mal der Gesprächsstoff aus.

Ich habe den Nachmittag sehr genossen und gegen Ende überreichte mir Atti diese kleine Schachtel. Ich war sehr überrascht und sehr gerührt. Natürlich habe ich mich auch gefreut. Und wie.

"Mach doch mal auf", sagte Atti und ich machte auf.


Und mein Blick fiel auf zwei Merinowollstränge, die Atti selbst gesponnen hat. Ohne sentimental sein zu wollen, ich habe mich sehr darüber gefreut. Ein wundervolles Geschenk und das für eine eigentlich doch fremde Person; nun gut, wir kannten uns über das gegenseitige Blog-Lesen und über Emails.



Nun sind wir uns nicht mehr fremd, was mich sehr freut. Ich betrachte das Garn und denke an Atti und den schönen Nachmittag. Die Merinowolle fühlt sich sehr weich und einfach nur gut an. Ich werde es genießen, einen Schal daraus zu stricken. Vielleicht mit einem dezenten Lacemuster, damit die schöne Farbschattierung zur vollen Wirkung kommt?

Natürlich habe ich daheim sofort meine Kamera gezückt und Bilder gemacht. Ein wunderbarer Nachmittag, der wiederholt werden wird, hoffentlich geht nicht zu viel Zeit bis dahin ins Land. Doch zum Glück gibt es Telefon, Internet und die Post.

Habt einen schönen Tag,
Eure Ricarda.

Icarus Shawl - Interim Report

  • Jul. 23rd, 2008 at 10:52 PM

Der Icarus Shawl aus der IWK Summer 06 geht voran. Yippieh, es taucht Licht am Ende des Tunnels auf. Von meinen Nadel-Schwierigkeiten habe ich ja bereits berichtet. Ich werde mit den ADDI-Dingern das Shawl zwar beenden, doch es wird kein solches Vergnügen werden, wie ich es mir gewünscht habe.

Zu stricken sind noch 38 Reihen. Das sind 14 Reihen in Chart III und die verbleibenden 24 in Chart IV. Dann folgen die vier Reihen Abketten, was für mich noch einmal Herausforderung darstellt. Denn das System habe ich bisher nicht durchschaut.Der Shawl macht nach wie vor Spaß. Jetzt, da wesentlich mehr Lace-Muster gestrickt wird als im Rippen-Teil, verlangt er sogar ein gewisses Maß an Konzentration.

An das Garn von WollLust habe ich mich gewöhnt und nun strickt es sich angenehm. Das zweite 254g Knäul ist angefangen. Dieses Mal haben sich die Erfahrungen von Frost Flowers and Leaves als Positivum gezeigt. Wollmangel existiert dadurch beim Icarus nicht. *aufatme*





Achja, das Nectar Buch von Kim Hargreaves ist nun bei meiner Mutter eingetrudelt. Sie hat es mir erzählt, damit ich beruhigt bin. ;) Natürlich habe ich diese Nachricht sofort wieder vergessen, denn es ist ja ein Geburtstagsgeschenk. ;)


@Regina und Margrit: Ich habe auch sehr gelacht. ;) Es war eine interessante Erfahrung und daraus lernt man ja. Das nächste Mal gedulde ich mich und bestelle über die deutschen Shops.

Unzufrieden - malcontent

  • Jul. 23rd, 2008 at 10:33 PM

Ich hatte doch bereits erzählt, dass mir die Wolle für Frost Flower and Leaves ausgegangen ist. Nun habe ich - worüber ich sehr sehr froh und glücklich bin - die nötigen zwei Knäule bei Martina in der Hobby und Bastelkiste gefunden. Huch, bevor dieses Posting den falschen Eindruck erweckt, ich bin mit Martina und der Hobby und Bastelkiste sehr zufrieden. Ein rascher Service und eine große Auswahl. Ich habe ja nicht zum ersten Mal bei ihr bestellt und werde es auch wieder tun.

Meine Unzufriedenheit hat eine andere Ursache. Ich stricke doch zur Zeit den Icarus Shawl aus der IWK Summer 06. Nun ja, meine Stricknadel Nr. 5 ist leider nur 80cm lang, sodass ich mit der Bestellung der beiden Knäule
Schachenmayr Kid Light auch eine Stricknadel Nr. 5 in einer Länge von 120cm von ADDI der Bestellung beifügt. Ich packte also freudestrahlend aus. Die Wolle ist super und halte dann die Stricknadel in der Hand.

  • Erster Eindruck: Hmmm, ziemlich leicht und recht flexibler Kunststoff zwischen den Nadeln. Nun gut, kommt auf einen Versuch an.
  • Zweiter Eindruck: Herrlich, die Maschen liegen endlich ungequetscht auf der Nadel - bei 40cm mehr ist das kein Wunder.
  • Dritter Eindruck: O.o strickt sich aber komisch. Die Maschen rutschen vom Kunststoff-ADDI nicht so schön wie vom Metall-PRYM. Der angepriesene "perfekt Übergang von den Spitzen auf das Seil" lässt das Garn bremsen. "Die Nadeln drehen sich nicht aus der Hand" - dann habe ich falsche Hände.

Es tut mir leid, aber ich bin mit diesen Nadeln einfach unzufrieden. Natürlich ist das ein subjektives Urteil und ich will damit auch nicht ein von anderen geschätztes Produkt verurteilen. Auf der einen Seite bin ich froh den Icarus nicht quetschen zu müssen, auf der anderen ärgert es mich, mich von der ADDI-Produktwerbung: "Feinstricknadeln - Lace-Needles" beeinflusst zu haben. Ich hätte - wegen guter Erfahrungen - bei PRYM bleiben sollen.


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Icarus Shawl

  • Jul. 11th, 2008 at 12:50 AM

Am 04. Juli habe ich Post von Woll-Lust bekommen. Das Probegarn für meine Freundin war drin und schon ging es mit dem Stricken los. Natürlich nicht mit dem Originaltuch - das hat sie sich leider noch immer nicht ausgesucht - aber mit einem Dreieckstuch, das ich schon immer stricken wollte, bisher jedoch nie den Anlass dafür hatte.

Der Icarus-Shawl aus der Interweave Knits Summer 06 hat es mir angetan. Am 06. Juli sah das gute Stück noch so aus:



Der rote Fussel unten ist der Beginn der ersten Wiederholung der Reihen 19 bis 42 von Chart I. Zu diesem Zeitpunkt war diese erste Wiederholung abgeschlossen.

Am 11. Juli nachts sah Icarus bereits so aus:



Ich habe dieses Mal nicht auf dem Kopf fotographiert. Mittlerweile bin ich mit der dritten Wiederholung der obgenannten Reihen fertig und habe so noch zwei vor mir. Die Reihen werden ja immer länger. Das Muster ist bisher auch keine Herausforderung. Allerdings liegt darin die Gefahr. Mir sind bereits zwei Fehler unterlaufen, die sich jedoch rasch und vor allem rechtzeitig ausbügeln ließen, ohne dass ich ribbeln musste.

Das Garn ist überigens Sommerlinde. Es gefällt mir sehr gut, hat ein schönes, recht gleichmäßiges Strickbild. Manchmal erwische ich den schmalen Lurexfaden nicht, doch bisher war das auch kein Beinbruch. Mal sehen wie sich Icarus stricken lässt, wenn die wirklichen Mustercharts kommen. *auf Holz klopf*

Kim Hargreaves "Nectar"

  • Jul. 8th, 2008 at 7:45 PM

Da brate mir doch einer 'nen Storch. Die schlimmste Frage, die mir jemand stellen kann oder besser gesagt eine der mir unangenehmeren Fragen ist: "Was wünscht du dir zum Geburtstag?"

Meine Standardantwort: "Nichts. Denk an dem Tag an mich, mehr will ich nicht."

Hmm, kaum einer gibt sich damit zufrieden. Ich freue mich über jeden Anruf, jede Karte, jede Mail, jeden Brief. Natürlich auch über Geschenke, aber ich fordere sie nicht und mag auch nicht gerne Wünsche äußern, was mich zu einer schwierigen Freundin macht. Ich weiß. ;)

Also, warum ich diese Ausführungen nun mit "Kim Hargreaves - Nectar" überschreibe? Ganz einfach. Meine Mutter hat die liebevolle Eigenschaft, solange auf mich fragend einzuwirken, bis ich doch einen Wunsch äußere und dieser hieß: "Dann wünsche ich mir das neue Buch von Kim Hargreaves."

Guter Wunsch, meine liebste Mama war Feuer und Flamme. Es kam die nächste Frage, nach einiger Zeit: "Wo kriegt man das?"

Hmmm. Am einfachsten übers Internet auf der Homepage von Kim Hargreaves, war meine Antwort und prompt folgte die Bitte meiner Mutter, die selbst weder Internet noch PC besitzt, ob ich nicht mein eigenes Präsent bestelle. Klaro, das mach ich doch gerne. Ich weiß ja, dass es von Herzen kommt und vor allem bin ich aus dem Alter heraus, in dem ich vor Neugierde nicht mehr aus noch ein wusste, wenn es auf den Geburtstag und Weihnachten zuging.

Also, gesagt, getan. Ich bin an den PC, bestelle das Buch und stoße auf die erste Hürde: Wie, Creditcard or Debitcard? Yippieh, ich habe eine Debitcard. Alles kein Problem. Also Nummer eingetippt und alles, was dazugehört: O.o Wie - Card is invalid? 13 Stellen? Wieso 13? Warum reichen meine 11 nicht?

Oh, Ricarda, du Schaf. Du brauchst doch die IBAN. Jau, alles kein Ding. Also, das Buch bestellt und gedacht, nun gut, dann eben auf Cheque. Wer jetzt lacht, ich kann es ab. ;)
Hmmm, es herrschte bei mir eindeutige Begriffsverwirrung und das Resultat war ein überraschendes Memorandum von mir an mich: Keine Bestellungen über die Landesgrenzen hinaus, wenn der Tag sich rapide zur Neige senkt und lediglich fünf Minuten bis zum neuen Kalendertag vorhanden sind.
Gut, die Überraschung kam, als ich am nächsten Tag in mein Email-Fach sah. Nachricht von Kim Hargreaves mit einem Dank für die Bestellung. Ooops, ich hatte doch aber abgebrochen. Näää hatte ich nicht, ich Schaf.

Nun gut. Auf diese nette Mail - sie war in der Tat sehr höflich und nett - habe ich meine Fragen gestellt, um meiner Bedeutungsverwirrung Herr zu werden - bzw. Herrin. Eine sehr liebe verbindliche Mail in einem sympathischen und vor allem höflich erklärenden Ton und mit ebensolchem Inhalt kam noch am selben Tag. Ich war erstaunt und entzückt und druckte mir alles aus, ging mit beidem zu meinem Kreditinstitut in der festen Absicht wenigstens einem der Mitarbeiter Löcher in den Bauch zu fragen und auf Biegen und Brechen alles herauszubekommen, was mit einem internationalen Geldtransfer zusammenhängt.
Jau, der Plan war gut, die Ausführung haperte an der Inkompetenz des Gentleman, den zum Opfer meiner geistigen Bedürfnisse ich mir auserkoren hatte. Nun ja, nach fünfzehn Minuten um die Ahnungslosigkeit seinerseits in Worte zu packen, bekam er von der Vorgesetzen Hilfe, die mir wiederum half. Ich solle doch bitte in Vorkasse gehen - hatte ich vor - und beim Anbieter dessen internationale Kontodaten erfragen - klaro, meine konnten sie mir ja nicht geben, denn soetwas wie einen PC und Kundeninfos in diversen Dateien haben sie ja nicht.
Ich bin ein liebenswürdiger und geduldiger Mensch, der selten ausrasten und noch weniger seine Wut und seine Unzufriedenheit an anderen auslässt. *prahl, angeb, hust*
Ich bin also wieder heim, setzt mich wieder an meinen PC und finde doch tatsächlich übers Internet einen Weg, meine internationalen Daten zu bekommen. Heureka.
Haha, wer nicht wagt, der nicht gewinnt, dachte ich Schaf mir und schreibe freudestrahlend Kathleen von Kim Hargreaves, dass ich um ihre Internationalen Kontodaten ersuche, falls ich mit meinen nicht in der Lage bin online zu bestellen.

Ihr ahnt sicher, was kommt: "Your card is invalid!"

Wie kann das bitte sein. Nun gut, dann eben noch einmal zu Bank und noch einmal nachfragen, dieses Mal in der Absicht, einen fachkompetenten Berater zu finden und - nein, der Weg war nicht umsonst, schließlich wartete eine Rechnung, die beglichen werden sollte.
Der Tag begann dämlich und er ging dämlich weiter. Bei meinem Kreditinstitut ist mir beim Überweisen etwas passiert, das mir in all den Jahren, die seit meinem 18. Lebensjahr vergangen sind, niemals passiert ist: Genau, ich habe meine Geheimnummer verdreht und das dreimal. Ergo, Karte weg und nun hieß es, den nächstbesten Angestellten auftreiben, den Ausweis zücken, um die Karte zurückzubekommen. Yippieh, der Herr S... sah wahnsinnig gut aus, war sehr groß, hatte eine Aura von Intelligenz um sich gescharrt und einen klugen, verständnisvollen Blick. - ich lese zu viel Jane Austen -
Der Anschein trog, er war erst zwei Tage im Kundenservice und hatte keine Ahnung. Ich bekam meine Karte zwar wieder, doch brauchte er gute fünfzehn Minuten, um sie zu entsperren und mir meine Frage - wieder unter zu Hilfenahme eines Jokers, diesmal eines Telefonjokers - zu beantworten. Die Informationen waren düster. Mein Kreditinstitut bietet den benötigten Service für eine Debitcard noch nicht an... Danke...
Also gut, es hieß wieder Email schreiben an Kathleen von Kim Hargreaves und ich tat es. Kaum einen Tag später bekam ich von selbiger Kathleen eine Mail mit den notwendigen Daten und ich habe den Betrag überwiesen. Natürlich habe ich Kathleen auch mitgeteilt, dass ich die Überweisung getätigt habe. Am Freitag hatte ich nun die bisher letzte Mail in meinem Postfach, die den Eingang der Zahlung bestätigte und mir mitteilte, dass das Buch am Montag auf Reisen ginge.

Fazit - Positivum:
  • Mein Englisch ist doch salonfähig, zumindest insoweit verständlich, dass ein Finanztransfer geglückt ist.
  • Mein Englisch ist doch salonfähig, weil Kathleen von Kim Hargreaves sofort verstand, wo mein Problem lag und die Geduld aufbrachte, mir bei diesem zu helfen.
  • Kundenservice wird in der Tat sehr groß geschrieben, die Art und Weise wie dieser erfolgt, unterscheidet sich jedoch nicht nur von Land zu Land, sondern auch von Branche zu Branche.
  • Ich bin doch nicht so blauäugig und wusste tatsächlich mehr als ein Kundenberater bei meinem Kreditinstitut. Schade, dass ich es nicht schriftlich habe.
  • Ich werde zum Geburtstag ein herrliches Buch von Kim Hargreaves bekommen. Meine Mutter ist glücklich und ich bin es auch.
Fazit - Negativum:
  • So schön es auch war, eine komplizierte Sache zu einem in naher Zukunft liegenden erfolgreichen Abschluss zu bringen, so aufreibend war er auch.
  • Ob es sich gelohnt hat, wird sich zeigen, wenn ich am Geburtstag das Buch in Händen halte.

Sodele, eindeutig überwiegt das Positivum. Ich hatte einen wirklich sehr netten und höflichen Emailkontakt mit Kathleen und freu mich schon jetzt, ihr mitzuteilen, dass das Buch da ist, wenn es denn da ist. ;)

Aber eines weiß ich gewiss, das nächste Mal werde ich - ungeachtet der netten Korrespondenz - den Buchhandel mit der Beschaffung eines Buches aus dem Vereinigten Königreich beauftragen.